Anleitung zum Verlassen des Drama-Spielfeldes

Anleitung zum Verlassen des Drama-Spielfeldes

Innerlich kommst du immer mehr bei dir an, doch im Außen scheint fast das Gegenteil der Fall zu sein. Viele Menschen scheinen völlig hohl zu drehen. Langjährige Freundschaften, intensive Beziehungen brechen zusammen. Scheinbar ohne ersichtlichen Grund, entsteht aus einer Belanglosigkeit ein riesengroßes Drama. Alles, was euch bislang verbunden hat, wird mit einem Schlag für null und nichtig erklärt. Es gibt keine Verbindlichkeit mehr.

Falls du dich in solch einem Moment fühlst, als wärst du in einem falschen Film gelandet, dann liegst du damit gar nicht so daneben, denn ihr befindet euch auf vollkommen verschiedenen Wahrnehmungsebenen. S
teht dein Gegenübermit einem Bein in der Vergangenheit, werden die dort erlebten, unverdauten Erfahrungen in die Zukunft projiziert. Mit der tatsächlichen Gegenwart hat sein Erleben nichts zu tun. Solange er dies nicht erkennt, kannst du ihn auch nicht erreichen.
Was tun? Es ist nötig unsere alten Strukturen mitsamt den Resonanzen, die sie erzeugen, genauestens unter die Lupe zu nehmen, um zu erkennen, was wir dringend loslassen und hinter uns lassen wollen. 
• Zunächst einmal erlaube dir zu atmen und zu fühlen, was du fühlst und was die Drama-Inszenierung bei dir bewirkt.
• Versuch es nicht persönlich zu nehmen. Nimm dem Drama die Bedeutung. Füttere es nicht mit deiner Energie.  
• Verankere dich in der Gegenwart. Richte deine Aufmerksamkeit auf das größtmögliche gemeinsame Potenzial. Gib deine Absicht zur gemeinsamen Lösung ein – ob sich diese im Miteinander, oder getrennt voneinander vollzieht – lass los, wie es geschieht. Nur so kann sich eine Lösung gestalten, die allen Beteiligten dient.
• Spüre, welche alte Verletzungen in dir "angetriggert" werden. Nimm dir Zeit dazu, solange bis du zur Ruhe kommst.
• Zu deiner Wahrnehmung stehen, aufdecken, ohne Schuldzuwendung kommunizieren – ja. Rechtfertigen, für etwas, was nicht der Realität entspricht, nein.

Ist die Bereitschaft deines Gegenübers, sich selbst, seinen Ängsten und alten Verletzungen zu begegnen nicht gegeben, bewege dich klar und entschieden aus dem gemeinsamen Beziehungsfeld hinaus. Lasse dich nicht als Projektionsfläche benutzen. 
Lerne zu unterscheiden: Du kannst Menschen bedingungslos, aus ganzem Herzen lieben. In den Augenblicken, wo dies möglich ist, meist aus der Ferne :-) fühlt es sich wunderbar und befreiend an. Doch, die Menschen, denen du Zutritt zu deinem innersten Wesen gewährst, wähle mit Sorgfalt. Denn hier findet ein intensiver Austausch statt. Du wählst mit deiner Anteilnahme, an welcher Realität du Anteil nimmst. Dazu ist es wichtig genau hinzufühlen, ob ihr dieselben Werte verinnerlicht habt. Die Betonung liegt hierbei ganz bewusst auf „verinnerlicht“. Denn so oft sprechen wir über dieselben Begriffe, doch welche Erfahrungen wir damit verbinden, welches Verständnis wir aus unseren Erfahrungen gewonnen haben und vor allem welche Konsequenzen wir für unser Leben daraus ziehen, kann oft unterschiedlicher nicht sein.
Ist ein Mensch nicht zur Einsicht in sein Fehlen bereit, kann er aus seinen Erfahrungen nicht lernen, das Geschenk der Erfahrung nicht erkennen. Menschen ohne eigene Wertschätzung befinden sich in Konkurrenz mit ihren Mitmenschen. Sie müssen andere abwerten, um sich aufzuwerten. Sobald wir mit anderen Menschen konkurrieren, sind wir in unseren Reaktionen an sie gebunden. Unser Blickfeld wird eng, unser Handlungsspielraum klein.
 Gelingt es dir, die Projektionen des Anderen nicht persönlich zu nehmen, ihn dort stehen zu lassen, wo er steht, kannst du aus dem Machtspiel aussteigen. Steh zu dir und deinen Werten. Fordere nichts mehr von ihm, es ist vergebene Liebesmüh. So wirst du keine Wertschätzung erhalten.
Frei bist du erst dann, wenn du deine Mechanismen erkennst und von deinem Gegenüber keine Einsicht mehr forderst.
Fühlst, es ist egal, welches Bild er von dir hält. Dir klar wird, sein Vorstellungsbild hat nichts mit dir zu tun – seine Projektionsbaustelle. Und … du das Bild, das du von ihm hältst, ebenfalls losgelassen hast. Fokussiere dich nicht auf den Verlust, sondern öffne dich für das Wir. So kann das, was sich wertschätzend mit dir verbinden will, dich finden.

Bevor dies möglich ist, gibt es die unterschiedlichsten Reaktionsmechanismen: 
Bist du in deinem Selbstwert höher angesiedelt, wirst du als bedrohlich, von oben kommend erlebt. Eine unbewusste Abwehr, die Nähe verhindert, oftmals Zorn oder Angst, entsteht.
Bewegst du dich im Vergleich und fühlst dich innerhalb einer Beziehung unterlegen: Du erlebst  dich z. B. als nicht so erfolgreich, nicht so im Mittelpunkt stehend, nicht so anerkannt, nicht so gefragt, bist du neidisch und fühlst dich schuldig deswegen. Und wer will schon etwas schuldig sein?
Dies ist die Stelle, die unser Menschsein oftmals zur Verzweiflung treibt. Statt auf einer inneren Ebene zu korrigieren, setzen wir den Schnitt im Außen an und trennen uns von allem, was unschöne Gefühle in uns bewirkt. Selbst wenn wir äußerlich noch anwesend erscheinen, sind wir innerlich gegangen.

Mit Sicherheit kennst du beide Positionen. Egal wie auch immer die Schieflage sich zeigt, es entsteht ein heilloses Drunter und Drüber. Beziehung auf Augenhöhe ist so nicht möglich. Selbstmitleid und Urteil geben sich gegenseitig die Kante. Doch der erste Schritt zur Veränderung ist zunächst einmal annehmen was ist. 

Bedeutet dies jetzt in letzter Konsequenz, dass Menschen dasselbe Maß an Selbstwert besitzen müssen, um miteinander befreundet zu sein? Nein, das wäre hierarchisches Denken und genau dieses Denken behindert Wachstum und ein liebevolles Miteinander. Doch wir müssen das alte Spielfeld verlassen. Es ist unmöglich Nähe und einen authentischen liebevollen Austausch zu erleben, solange einer kämpft und um jeden Preis gewinnen will. Dies erzeugt letztendlich eine Selbstwert-Abwärtsspirale, in deren Verlauf beide verlieren. Gegenseitiges Vertrauen und gemeinsames Wachstum brauchen unsere Einsicht und unsere Bereitschaft uns zu stellen – auch zu unserem Fehlen. Halten wir mit Macht an unseren alten Selbstbildern fest, ist keine wirkliche Begegnung möglich – wir selbst fehlen. Unsere Vorstellungsbilder voneinander, stehen zwischen uns.

Die Bereitschaft dem eigenen Schatten zu begegnen und ihn zu erlösen, ist eine Grundvoraussetzung für Selbsterkenntnis und einen gesunden Selbstwert. Ansonsten sind wir ein Leben lang vor unserem Schatten auf der Flucht.

Sobald ich wahrnehme, dass jemand die Bereitschaft der Selbstreflexion nicht hat, verlasse ich das gemeinsame Beziehungsfeld. Zu meinem eigenen Schutz und zur Erleichterung – auch meines Gegenübers. Denn sobald ich gehe, muss mein Gegenüber nicht mehr dagegen halten. Das Bedürfnis, das alte Selbstbild halten zu wollen und der gleichzeitige Wunsch nach Befreiung, der mich ins Feld gerufen hat, müssen nicht mehr miteinander kämpfen. Und ich bekomme wieder Luft zum Atmen … keine Erstickungsanfälle mehr. Denn diese bekomme ich, sobald ich vermehrt mit Menschen konfrontiert werde, denen es an geistiger Offenheit und Beweglichkeit fehlt. Shit happens ;-)
Kante zeigen, die eigenen Grenzen wahren und das Verständnis für sich selbst nicht zu vergessen, ist die Lösung.
Hast du hingegen mehr Verständnis für dein Gegenüber als für dich, fällst du aus dir raus. Lass die Verlustangst nicht dein Leben bestimmen. Etwas zu halten, was nicht mit dir sein will, ist viel zu anstrengend und bremst dich aus.

Jeder gibt, was er kann. Manchmal ist die Angst zu groß und das Tempo zu schnell, sodass wir überfordert sind. Das ist kein Versagen, sondern es bedarf einfach nur der Entschleunigung. Dadurch schenken wir uns die Zeit, die wir brauchen, um zu erkennen, was wir wirklich wollen. Nichts ist so schwer, dass du es nicht loslassen kannst – z. B. deine Erwartungen an dich selbst. Ein lebendiges Miteinander braucht Freiraum zur Selbstfindung, ansonsten kommt unsere Einzigartigkeit nicht zum Erblühen. Viel zu leicht passen wir uns an unser Umfeld an und verlieren dabei unsere innere Bestimmung und unsere eigenen Farben. Das wäre doch schade …




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