Weshalb die Erfahrung von Trennung uns reifen lässt …

Weshalb die Erfahrung von Trennung uns reifen lässt …

Beim Stöbern habe ich gestern einen alten Text gefunden. Mindestens 12 Jahre her, dass ich ihn geschrieben habe. Dennoch hat er seine Gültigkeit nicht verloren – im Gegenteil. Die alten Rollenbilder tragen nicht mehr. Männlich und weiblich dürfen sich auf Augenhöhe neu begegnen. Nicht nur im Außen gestalten sich neue Wege der Begegnung, auch in unserem Inneren entstehen neue Verbindlichkeiten. Wir lernen, was es bedeutet, wahrhaftig zu sein. Wir beginnen, zu uns und unserem Fehlen zu stehen. Unser Blick verändert sich, erst so können wir in Liebe erkennen, was wirklich ist. Unsere Vorstellungsbilder und Masken fallen … wunderschön, was sich dahinter versteckt. Nicht auf den ersten Blick, das mag wohl sein. Doch sobald wir unsere Vorstellungen davon, wie wir glauben sein zu müssen, um Liebe zu verdienen, loslassen, verändert sich unser Blick und wir können die Größe und Schönheit, die dahinter verborgen liegen, erkennen. 
Hier nun meine Gedanken vor 12 Jahren – unverändert. In der Sprache, im Gegensatz zu heute noch etwas hölzern und schwer :-)) 

Hier stehen wir nun und streben danach wieder in die Einheit zu gelangen und „verteufeln“ die Trennung.
Hätten Muttergöttin und Vatergott uns als kindhafte Anteile von sich selbst nicht aus dem unschuldigen Zustand des Paradieses hinausgeworfen, hätten wir nicht alle Seelenanteile zur vollen Reife entwickeln können. Wären wir nicht erwachsen geworden. Könnten wir jetzt nicht mit Freude erwachen und uns als Mensch in unserer Göttlichkeit erfahren. Nur durch Trennung ist es möglich, die Mannigfaltigkeit der göttlichen Facetten differenziert wahrzunehmen. Im Getrenntsein erfahren wir unsere Einzigartigkeit. Hast du dich selbst in all deinen einzigartigen Facetten erkannt und angenommen, bringst du dadurch deinen innersten göttlichen Wesensstern ins Schwingen.  Bevor du nicht erwachsen – erwacht – und wertschätzend mit deinem Sein verbunden bist, kannst du dich nicht in die nächste Ebene, das Feld der freien Seinsebene und des lebendigen Miteinanders, bewegen. Dadurch ist gewährleistet, das nichts von deinen Potenzialen verloren geht. Denn im Miteinander, ohne das Bewusstsein um unsere Einzigartigkeit, neigen wir dazu, uns anzupassen und uns selbst zu verlieren. Erst wenn wir uns selbst wertschätzend erfahren, können wir uns miteinander wertschätzend verbinden. 
Um Trennung zu vollziehen, musste ein Ungleichgewicht erschaffen werden. Der Wert des weiblichen Pols wurde an den Wert des männlichen gebunden. Männlich und weiblich in uns und Mann und Frau im Außen konnten sich nicht mehr in freier, gleichberechtigter Liebe, sondern nur noch in Abhängigkeit begegnen. 
Der weibliche Pol entspricht in seiner Lastigkeit dem Minus, dem Defizit des nicht gefühlten Wertes, dem Ungenügend und Unwert in uns. Der weibliche Pol entspricht in seinem erlösten Ausdruck auch Mutter Erde und der Materie, der Fülle des Seins – unserem Innenhalt. Die Leugnung und Nicht-Annahme des „Ungenügend Seins“ als Gefühlsmoment in uns führt zur Spaltung. Dort, wo wir keinen lebendigen Kontakt zu unseren „unterbelichteten“ Anteilen in uns wahren, entsteht ein doppelter Boden. Dort sammelt sich alles an, was nicht in unser Konzept von gut und richtig passt. Doch diese Lastigkeit und Schwere – verdichtete, verhärtete Materie, die nicht mehr lebendig schwingt, zwingt uns zum Innehalten und zur Richtungsänderung. 
Der männliche Pol entspricht dem Plus in uns. Er korrespondiert auch mit dem väterlichen Prinzip, dem Himmel, dem geistigen Ideal, dem Ziel, der Bewegung, der Handlung, der Formgebung und Struktur.  
Aus Angst, nicht richtig zu sein und nicht zu genügen, treiben wir uns an, besser zu sein. Wir stellen das Urteil über die Liebe, erheben uns über andere, um besser, größer, mehr zu sein. Wenn unsere Bewegung vom unerlösten männlichen Pol ausgeht, sind wir nicht lebendig mit unserem Fühlen verbunden und zur Beherrschung verpflichtet. Je mehr Mangel, Unsicherheit und Vertrauensverlust in uns, um so machtvoller regiert und kontrolliert dieser das Minus, die Schuld, damit es sich ja nicht ans Licht bewegt. Und irgendwann stehen wir hier ganz alleine, uns und niemand trauend, starr vor Angst. Unfähig liebevolle, anteilnehmende Vertrautheit zuzulassen. Das hieße ja, die Beherrschung über unser Fühlen zu verlieren. Das wäre ja das Ende der Herrschaft über die Liebe … 
Nun denn, strecken wir die Waffen und schenken wir der Liebe Raum.

Nachtrag 21. April 2017: Gestern Morgen beim Erwachen hörte ich plötzlich einen lauten Knall direkt neben mir. In meiner Umgebung keinerlei Grund, der diesen verursacht haben könnte. Zusammenfall der alten Zeitlinien und Begrenzungen im alten Beziehungsspiel, wurde mir dazu heute erklärt. Vielleicht die Last unserer alten Erfahrungen … ich werde es bald erfahren. 

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